Kürzlich wurde ich gefragt, was ich so für Übersetzungen gemacht hatte und die Antwort, die ich gab, an sich meine Standarderzählung, ist mir mit einem Mal fürchterlich müde vorgekommen. Ich weiß ja gar nicht, ob mein Gegenüber irgendwas merkte, aber ich! Im Moment des Erzählens wußte ich, dass diese Version der Story tot ist. Also habe ich nachher einen ordentlichen Blick in meine Auftragsgeschichte getan und dabei viele Aufträge wiederentdeckt, an denen ich zu ihrer Zeit eine Freude hatte.

Sie werden hier allerhand Sachen sehen. Wenn Ihnen dabei vorkommt, dass ich mich wenig strategisch positioniert habe, liegen Sie nicht falsch. Meistens habe ich genommen, was kam, und was gekommen ist, kam über irgendwelche Empfehlungen und um-ein-Eck-Bekanntschaften. Aber diese, und viele anderen Aufträge, waren meine Lehrmeister:innen. Ich liebe doch die Arbeit des Übersetzens in all ihren Facetten, und die einen Arbeiten machen mich für die anderen fitter.

Hier also eine Auswahl meiner Einsätze über mehr als 20 Jahren:

  • Den Entwickler eines besonders leichten, hochtragfähigen, flächigen Bauelements aus Holz unterstütze ich mit Übersetzungen und Texten im ganzen Spektrum der Textsorten vom technischen Handbuch (Statik, Bauphysik, Detaillösungen) bis zu Werbetexten über die architektonischen und ästhetischen Produktvorteile. Es ist eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit, bei der meine verständige Einarbeitung in alle Aspekte des Produkts den Mehrwert bringt. (Seit ca. 2009)
  • Eine Anlagenbau-Firma für flüssige Herstellverfahren in den Biotech- und Pharmaindustrien lässt bei mir umfangreiche SOPs, von Design Engineering bis Schweißen, übersetzen. Dazu kommen das Lektorat von Forschungsartikeln sowie die Übersetzung der Texte für Produktbroschüren und die neue Website. (2014–2016)
  • Ein vielbeschäftigter Primararzt und Dozent, der eigentlich sehr gut auf Englisch schreibt, bestellt bei mir regelmäßig das Lektorat und gelegentlich Übersetzungen seiner Forschungsartikel, Case Studies usw. Er schätzt die mitdenkende Bearbeitung inklusive inhaltlicher Anmerkungen, die dazu dienen, die Erzählungen in diesen Texten schlüssiger und genauer zu machen. (Seit ca. 2014)
  • Ein lieber Ex-Kollege von der Sprachschule, der im Bereich Elementarbildung – aber für Erwachsene – arbeitet, organisiert eine Tagung über Alphabetisierung. In unserer zunehmend durchdigitalisierten Welt wird es für Menschen, die kaum lesen und schreiben können, immer schwieriger – aber bei einem zu großen Anteil der Menschen versagt das Bildungssystem bisher in diesem Punkt (und es ist keinesfalls ein Phänomen, das nur mit Immigration zu tun hat). Als Keynote-Speakerin hat er eine Professorin für „Community Education“ aus Großbritannien eingeladen. Ich darf für sie einen Tag lang flüsterdolmetschen. Ich genieße die Sache riesig, weil in meiner alten Zeit in Schottland meine besten Freund:innen Com-Ed-Worker:innen waren. (2013)
  • Diverse Einrichtungen der TU Graz bestellen Übersetzungen von Informationen für Studierende und Interessierte. Die Texte sind teilweise formaler Art (Richtlinien und Abläufe), teilweise fachlich-inhaltlich (Lehrpläne, Forschungsberichte), teilweise haben sie eher eine werbende Funktion (berufsbegleitende Kurse). Alle sind mit einem gewissen Risiko behaftet, sperrig und schwer verständlich zu sein. Ich mache die englischen Fassungen inhaltlich akkurat, aber auch gut lesbar und stimmig. Die Arbeit wird innerhalb mehrfacher Wording- und Terminologievorgaben (Corporate Wording der TU, Glossare vom Bundesministerium, Gesetze) erledigt. (Seit ca. 2010)
  • Eine Dozentin in einem technischen Fach fragt eine Korrektur ihrer in englischer Sprache verfassten Habilitationsschrift an. Ich verwandle die angefragte Dienstleistung in ein Coaching, bei dem ich ihr in mehreren Gesprächen zu einem besseren Überblick der umfangreichen Erzählung verhelfe und ihr auch Techniken zur Verbesserung der Kohärenz von Absätzen vermittle. Sie verbessert ihre Schreibkompetenz nachhaltig. Die Arbeit bleibt ihre eigene und wird erfolgreich. (2019)
  • Eine begnadete Linolschnitt-Künstlerin lässt mich Texte für ihre Website übersetzen. Zum Ergebnis sagt sie: „Danke, das ist ja superfein geworden! Man kann das Augenzwinkern herauslesen und muss ein bisschen lächeln, und genau das hatte ich mir gewünscht!“ (2009)
  • Für ein internes Magazin eines großen Pharmakonzerns führe ich ein telefonisches Interview mit dem Leiter einer Forschungsdivision in den USA durch, einem in seinem Fach eminenten Professor, der in der Mitte seiner Karriere in die Industrie gewechselt ist. Es ist ein faszinierendes Gespräch. Einziger Wermutstropfen ist, wie wenig ich davon im Artikel unterbringen kann … (2012)
  • Bei Übungsbüchern einer bundesweit im Einsatz befindlichen Lehrbuchreihe für Englisch in der AHS-Oberstufe mache ich den ‘Native Speaker Check’. Ich entdecke einige Inkonsistenzen und schlage Lösungen vor. Die mit der Einarbeitung meiner Inputs befasste Autorin (mit der ich seit 20 Jahren zusammenlebe) meint angesichts meiner gezielten Korrekturen und Anmerkungen, als hätte sie es gerade erst entdeckt, “You’re really quite good at this, aren’t you?” (2022, 2023)
  • Roche Diagnostik gibt bei mir in Zusammenarbeit mit einer Produktionsfirma ein Drehbuch für ein umfangreiches e-Learning im Auftrag. Angehende Servicetechniker:innen der Blutgas-Analysegeräte sollen sich damit aufs Präsenztraining vorbereiten. Sie haben heterogenes Vorwissen, mit eher technischem oder eher medizinischem Schwerpunkt. Das e-learning vermittelt Grundlagen der Blutgas-Physiologie sowie der Technik der Instrumente. Drehbuchentwurf mit englischsprachigem Sprechtext und Regieanweisungen für die dazu laufende Bildschirmpräsentation. Rückmeldung des Kunden: „Trainees kommen jetzt mit ganz anderen Fragen als vorher“, und des Sprechers (Stuart Freeman, FM4): “It was an easy read”. (2008–2009)
  • Eine Professorin für Gender Studies in MINT gibt in einigen Kurzvideos Einblicke in ihre Arbeit. Dazu wünscht sie sich englischsprachige Untertitel. Ihr fließender, streckenweise lebhafter Vortrag mit einem Hauch vom Schweizerischen hat möglicherweise nicht die Anforderungen für eine leichte Untertitelung berücksichtigt … Mit Hilfe einer Spotting-Software, mit der ich das Erscheinen und Verschwinden der Untertitel genau einstellen kann, gelingt aber eine gute Lösung. (2020, Klientinbeziehung seit > 10 Jahren) https://gmint.informatik.uni-freiburg.de/videos/
  • Der Hersteller eines rezeptfreien Medikaments braucht dazu Informationen sowohl für Patient:innen als auch für Healthcare Professionals. Ich bereite sie in beiden Versionen inhaltlich genau, verständlich und ansprechend auf. (2011, Kundenbeziehung dauerte ca. 10 Jahre)
  • Ein mittelständisches Unternehmen ist vielfältig im Bereich Anlagenbau aktiv. Zu den Schwerpunkten zählen Intralogistik inklusive Fördersysteme, automatisierte Waren- und Qualitätskontrolle mittels Bildverarbeitung, Materialsortiertechnik, Lebensmittel-Gefrieranlagen und Schaltanlagenbau. Ich bin so etwas wie der Übersetzer des Vertrauens und unterstütze seit vielen Jahren mit Texten für Werbebroschüren sowie für kritische geschäftliche Kommunikationen. (Seit 2014)
  • Eine Pharmafirma lässt umfangreiche interne Dokumentationen von Arbeitsvorschriften (SOPs) bis Chargenpapieren übersetzen. Da diese Übersetzungen für Audits durch ausländische Zulassungsbehörden benötigt werden, müssen sie sehr streng den Ausgangstexte folgen und vor allem nichts “verbessern”. Für mich eine wertvolle Schule des genauen Übersetzens, mit Einblicken in die Qualitätssicherung (GMP) dieser zu recht genau regulierten Industrie. (ca. 2002–2005)
  • Ich dolmetsche die Berufungsverhandlungen dreier Professor:innen einer Grazer Universität. Der Rektor bleibt mir als beeindruckende Persönlichkeit in Erinnerung. (2004–2006)